Ich hatte am Mittwoch ein Seminarbesuch in der Helsinki Polizeifachhochschule für das Thema Cybercrime und welche Schutzmechanismen man diesbezüglich anwendet und umsetzt. Das Seminar wurde von IT Fachkräften entsprechend vorbereitet und vorgetragen. Sie war sehr aufschlussreich, extrem informativ und spannend zugleich, leider zu meinem Bedauern viel zu kurz. Im Seminar wurden verschiedene Methoden, Vorgehensweisen und Gegenmaßnahmen gegenüber der zunehmenden Cybercrime in den letzten Jahren näher erörtert und mit Fallbeispielen belegt. Ich fand es sehr interessant zu sehen aus Sicht eines Polizisten, was es da für Möglichkeiten gibt, Straftaten über das Internet auszuführen. Nach dem Seminar wollte ich direkt ins Hotel, um am nächsten Tag mit dem Dienstwagen nach Hause zu fahren.

Bevor ich das Haupttor der Fachhochschule durchqueren konnte, wurde ich mit einer etwas lauteren Stimme im Hintergrund gestoppt „Kommissar Virtanen entschuldigen Sie bitte, Sie werden dringend erwartet. Es ist sehr wichtig.“ Ich drehe mich um, orientierte mich an der Stimme, um die entsprechende Person zu lokalisieren und war für einen Augenblick kurz verdutzt. Es war die persönliche Sekretärin Frau Sofia Koskinen des leitenden Polizeidirektors von Helsinki. Der Anblick von Frau Koskinen, sagen wir mal vorsichtig ausgedrückt, ein adrettes Erscheinungsbild, sehr Feminin und eine Art Augenschmaus für jeden Mann sozusagen. Der leitende Polizeidirektor von Helsinki ist die höchste Instanz in der Befehlskette innerhalb der Polizei von Finnland.

Oh jeh dachte ich mir, habe ich wieder was böses veranstaltet! Bekomme ich etwa Ärger! Wir stiegen gemeinsam in den Aufzug und fuhren an die oberste Etage. Ich wurde in ein Zimmer gebeten, wo der leitender Polizeidirektor alleine saß. Ein relativ lang gezogener Tisch aus Mahagoniholz. Er hatte nur ein Laptop vor sich. Auf Grund der Bauform des Notebooks konnte ich es relativ schnell identifizieren. Es war eine Asus Vivo Book Version. Dieser Laptop ist relativ flach, leicht, sehr leise und je nach Ausstattung auch ordentlich schnell für allgemeine Bürotätigkeiten und Multimediaanwendungen. Er wartete bis die Sekretärin das Zimmer verließ und dann drückte er mit der Maus ein Symbol auf seinem Laptop.

Jetzt passierte was, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte. Aus der Decke an den Zimmerfenstern entlang wurde eine Art Spezialvorhang bis zum Boden herunter gelassen. Dieser Spezialvorhang sorgte dafür, das man von Außen des Gebäudes nichts mit bekommt, was im inneren des Zimmers besprochen wurde. Dieser Spezialvorhang hatte eine neuartige polymerische Beschichtung mit einer Bienenwaben ähnliche Struktur, sah aus wie eine Art funkelndes dünnes Aluminiummaterial. Hatte ich mal Informationen in einem IT-Forschungsmagazin darüber gelesen gehabt.

War schon verblüfft darüber, das man diese neue Technologie jetzt schon angewendet hat. Auf dem Tisch in der Mitte befand sich eine Freisprecheinrichtung. Zusätzlich aus dieser Freisprecheinrichtung entfalteten sich vollautomatisch 2 Störsender Antennen einer links, einer rechts, damit man keine Gespräche im Zimmer über Frequenzen, Hertz oder Funk abfangen konnte. Das normale Licht wurde binnen Sekunden von Gelb auf Blau umgeschaltet. Nach diesem futuristischen sci-fi ähnlichen Auftreten war ich erst mal sprachlos. Was kommt jetzt und was suche ich hier und vor allem wieso ausgerechnet ich!

„Kommissar Virtanen ich mache es kurz und schmerzlos, Sie werden versetzt und bekommen eine eigene Abteilung. Diese Abteilung wird von EU Geldern refinanziert, es besitzt jährlich ein Etat in Höhe von ca. 1,5 Millionen Euro, kann gegebenenfalls je nach Bedarf und Situation kurzfristig aufgestockt werden, alles was ich Ihnen jetzt sagen werde bleibt in diesem Raum. Sie tragen für diese Abteilung alleine die volle Verantwortung – inkl. Ihnen dürfen Sie 8 weitere Personen nach eigenem Ermessen und Recherche aussuchen, rekrutieren, einstellen oder anderweitig eingliedern. Das bleibt Ihnen überlassen und Sie bekommen diesbezüglich die volle Unterstützung meinerseits. Die Oberstaatsanwaltschaft und der oberste Richter unseres Landes sind involviert und werden gegebenenfalls zu Ihren Gunsten und Ihrer neuen Abteilung je nach Fall und Situation entscheiden. Sie und Ihre Angestellten bekommen eine Sondergenehmigung, eine Art diplomatischer Immunitätsstatus bei heiklen und gefährlichen Einsätzen jeglicher Art. Somit sind sie und ihre Angestellten rein rechtlich betrachtet geschützt und stehen über der Polizei als ausführende Gewalt. Bis auf den Oberstaatsanwalt und mich kann keiner innerhalb der Polizei Ihnen Befehle erteilen.“

Das ich ein guter Kommissar bin, das war mir schon bewusst auf Grund meines bisherigen Erfolgs innerhalb der Polizei, aber das ich mit soviel Geld und mit einer eigenen Abteilung konfrontiert werde, das war für mich selbstverständlich Neuland. „Kommissar Virtanen die neue Abteilung heißt special cyber unit code 404, kurz SCU-404. Sie wird von Ihnen geleitet, die Verantwortung tragen Sie alleine. Die Abteilung ist in Imatra zur russischen Grenzstadt Svetogorsk aufgebaut. Sie bekommen neues Equipment, neue Dienstwagen, Waffen, elektronische Gerätschaften, neue Computer und anderweitige Utensilien zur Verfügung gestellt, um ihre tägliche Arbeit zu Gunsten unseres Landes und unsere Polizei umzusetzen. Die Wohnungen für Ihre Mitarbeiter und für Sie stehen schon bereit. Morgen früh werden Sie nach Imatra gebracht. Auch die neue Schule für Ihre Tochter ist entsprechend vorbereitet. Ihre Besoldung wird um zwei Grad erhöht, gilt selbstverständlich für all Ihre Mitarbeiter, alles wurde durch mich persönlich veranlasst und eingeleitet. Bitte enttäuschen Sie mich nicht. Einen schönen Tag noch wünsche ich Ihnen.“

Das Gespräch lief sehr kurz, sachlich und tatsächlich schmerzlos, eiskalt rüber gebracht vom leitenden Polizeidirektor. Er ist bekannt dafür, das er kurz und prägnant das sagt, was er auch meint. Was soll ich sagen, selbstverständlich war ich auf der einen Seite total perplex und mir fehlen jegliche Wörter dazu, aber auf der anderen Seite richtig überglücklich. Wer bekommt denn heutzutage bei der Polizei so locker eine eigene Abteilung, Wohnung ist vorbereitet, die Schule für die Tochter ist vorbereitet, habe die volle und alleinige Entscheidungsgewalt, kann mir jeden Mitarbeiter aussuchen wen ich möchte, was will man mehr als Abteilungsleiter. Ich bedankte und verabschiedete mich vom leitenden Polizeidirektor und fuhr mit dem Aufzug runter ins Foyer. Befehl ist nun mal Befehl und sie kommt direkt von der leitenden Polizeidirektion, da gibt es kein nein als Antwort und eine Absage kann man ebenfalls nicht bringen.

Was mich stutzig gemacht hat war, wieso ausgerechnet Imatra. Die Stadt Imatra hat gerade einmal knapp 28.000 Einwohner, allerdings ist da ein Grenzübergang zur russischen Stadt Svetogorsk. Die wiederum hat gerade einmal knapp 16.000 Einwohner, auch nicht gerade groß und total unbedeutend, alles ist relativ gut überschaubar. Also wieso Imatra und wieso Svetogorsk fragte ich mich ständig? Sankt Petersburg liegt 210 km südöstlich von Imatra oder Helsinki als Hauptstadt von Finnland kann ich ja beides verstehen, sind beides Großstädte und es passieren dort sehr viele schlimme Straftaten Tag täglich, aber wieso diese 2 kleinen unbedeutenden Städte Imatra und Svetogorsk ? Die Kriminalstatistik dieser beiden kleinen Städte ist auch relativ gering und ebenfalls überschaubar. In Imatra passiert selten was, wenn überhaupt wird mal ein Schwein oder eine Kuh vom Landwirt geklaut sprich ein Diebstahldelikt oder alkoholisierte Einwohner, aber sonst! Fragen die ständig in meinen Gedanken aufgetaucht sind und die mich nicht in Ruhe gelassen haben.

Ich wurde am Eingang der Hochschule von einer schwarzen Mercedes Limousine abgeholt und in mein Hotel gebracht. Im Hotel angekommen machte ich mir erst mal Gedanken darüber welche Mitarbeiter ich für meine Abteilung brauchen könnte. Da ich ja die volle Befugnis und die volle Unterstützung des Oberstaatsanwaltes hatte, kam spontan der Cracker Aimo Järvinen in Frage. Problem bei der ganzen Sache ist, das er im Hochsicherheitsgefängnis in Lappeenranta einsitzt. Er hatte damals mit einer speziell präparierten Bankautomatenkarte und einem selbstgebauten Code Eingabe Verschlüsselungsgerätes einige Hunderttausend Euro von verschiedenen Geldautomaten regelmäßig für sich abgezweigt.

Ein sehr kluges Köpfchen dieser Aimo. Beim Improvisieren und nach Lösungen suchen war dieser junger Mann ein Pflichtmitarbeiter für die SCU-404. Er ist gerade mal 18 Jahre jung und relativ leicht formbar, man muss nur eine gewisse Motivation und Entschlossenheit gegenüber ihn bringen, um ihn in die richtige Bahnen zu lenken und man sollte immer im Hinterkopf behalten, das er nun mal ein Straftäter ist, sonst würde er nicht im Hochsicherheitsgefängnis seine Strafe absitzen.

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