Zuschauer die sich mit der Thematik Krimi beschäftigt haben, sei es über die Literatur, Serien oder Filme, kennen den Begriff „nordic noir“ bzw. „scandi noir“ sehr gut und können darunter entsprechend was vorstellen – aber Zuschauer die sich frisch und neu mit der Terminologie Krimi sich beschäftigen, die wissen leider nicht was man unter „nordic noir“ bzw. „scandi noir“ sich vorstellt.

Als Ursprung des Genres im Literaturbereich wird die von 1965 an erschienene Romanserie „Roman über ein Verbrechen“ des schwedischen Autorenduos Maj Sjöwall und Per Wahlöö mit der Hauptfigur „Martin Beck“ angesehen. „Nordic noir“ spielt hauptsächlich in Nordeuropa, sprich in skandinavischen Ländern wie zum Beispiel Schweden oder Finnland, nur um zwei zu nennen. Die Hauptfiguren in „scandi noir“ Serien sind nicht perfekt oder so glatt und neu wie in manch einem anderen Krimi.

Ein Beispiel in der empfehlenswerten „nordic noir“ Serie „Die Brücke – Transit in den Tod“ (übrigens wer das noch nicht gesehen hat, hat im Bereich Krimi wirklich was verpasst!) hat die Hauptkommissarin ein Asperger Syndrom und deswegen funktioniert die zwischenmenschliche soziale Empfindungen und Kommunikation sei es gegenüber Vorgesetzten oder Hinterbliebenen von Opfern in keinster weise gut, aber dennoch ist sie eine ausgezeichnete Ermittlerin und löst mit unorthodoxen Mitteln die Fälle. Ihre Kombinationsgabe ist einfach nur unbeschreiblich hoch angesetzt in dieser Serie. Sie merken die Hauptdarstellerin hat in der Umgangssprache vorsichtig formuliert einen zwischenmenschlichen „Knacks“ im Kopf, aber ihre Arbeit verfolgst sie unmissverständlich sehr gut und bleibt am Fall so lange dran, bis sie den Täter gefasst oder je nach Situation umgebracht hat.

Neben dem Vorkommen von scharfer Gesellschaftskritik war an den Romanen neu, dass die Ermittler nicht als Superhelden, sondern als Charaktere voller persönlicher und familiärer Probleme gezeichnet waren. Auch die ab 1991 veröffentlichten Romane des Schweden Henning Mankell über den Kommissar Kurt Wallander zählen zu „nordic noir“.

Die Handlung einer „nordic noir“ Krimi Serie ist sehr düster gezeichnet und beinhaltet extrem spannende Geschichten Elemente, die einem einfach nicht los lässt. Wenn man mit einer sehr guten „nordic noir“ Serie anfängt, dann will man es bis zum Schluss eiskalt durchziehen, so spannend und fesselnd kann eine „nordic noir“ Serie sein. Die malerischen skandinavischen Landschaftsbilder dürfen selbstverständlich in einer sehr guten „scandi noir“ Serie nicht fehlen – und jetzt kommen die eigentlichen Unterschiede zu anderen „normalen“ Krimi Serien.

Eine „nordic noir“ Serie sollte sehr kühl und kalt dargestellt werden und sollte, auch wenn das für manch einem sehr schlimm anhört, brutal und grausam rüber kommen. Es ist keine Seltenheit, das man in einer „nordic noir“ Serie im wahrsten Sinne des Wortes wirklich alles gezeigt bekommt. Wer schwache Nerven hat, sollte grundsätzlich die Finger lassen von „nordic noir“ Serien, denn manch einer Darstellung ist wirklich sehr brutal und extrem grausam – ist wirklich nicht für schwache Nerven gedacht. Kaum vorstellbar, aber genau das macht eine sehr gute „nordic noir“ Serie aus, nämliche die extreme Grausamkeit und die abartige Brutalität.

Ich weis das hört sich sehr schrecklich an und ich wünsche in der Realität niemandem so was zu erleben, aber genau das macht eine sehr gute „nordic noir“ Serie aus, ist leider nun mal so. Es tut mir sehr leid für diese Formulierung meinerseits, aber ich versuche so realitätsgetreu wie möglich Ihnen „nordic noir“ zu erklären.

In den meisten Deutschen Krimi Serien beispielsweise sieht man das Opfer, ein bisschen Blut hier und da, vielleicht mal eine Tatwaffe und das war es auch dann schon meistens. In einer guten „nordic noir“ Serie sieht man je nach Opfer und Situation die Innereien, sehr viel Blut, Knochensplitter, eine Tatwaffe die eventuell ungewöhnlich ist oder ähnliches, die Umgebung ist kalt und dunkel, ein düsteres Bild wird dem Zuschauer vermittelt, man hat regelrecht Angst und die Nackenhaare steigen in den Himmel auf Grund der schrecklichen Situation und des düsteren Bildes. Das sind die wesentlichen Unterschiede zu „normalen“ deutschen Krimis und „nordic noir“ Serien von den skandinavischen Ländern.

Der Journalist und Schriftsteller Stieg Larsson ist bekannt dafür das er in seinen „nordic noir“ Büchern Sozialrealismus, Geradlinigkeit der Erzählung und den Verzicht auf Allegorisierung und Metaphorisierung auszeichnet. Ähnliche Elemente verwendet Henning Mankell für seine berühmte Figur Kurt Wallander.

Jeder wünscht für sich und für seine Familie ein perfektes Leben und will in der Gesellschaft absolut super integriert sein, aber bei „nordic noir“ Serien findet man krumme Linien, Krater, Löcher und regelrechte Brüche, die nicht perfekt sind, die nicht gerade sind, die einfach die andere Seite des Spiegels aufzeigen und man regelrecht mit der Realität konfrontiert wird. Das ist „nordic noir“ bzw. „scandi noir“. „Nordic noir“ ist extrem nahe an der Realität und an der Wirklichkeit, aber man sollte dennoch nie und niemals vergessen und immer im Hinterkopf behalten, das das eine Fiktion ist und das dies eine erfundene Geschichte ist. Es ist lediglich nur eine Geschichte, sonst nichts, alles erfunden.

Die Krimi Experten unter uns kennen folgende Empfehlungen sehr gut, aber ich möchte hiermit gerne für unsere Krimi Neulinge folgende Empfehlungen aussprechen, die sehr viele „nordic noir“ Elemente beinhalten.

Die erste Empfehlung habe ich schon vorhin erwähnt, es ist „Die Brücke – Transit in den Tod“. Übrigens es ist das Original (Schweden und Dänemark), nicht diese Kopie zwischen Frankreich und Groß Britannien Variante oder USA und Mexiko Variante. Leider waren die 2 Kopien sehr schlecht umgesetzt, keiner dieser Kopien kommt ansatzweise an das Original ran. Grenzerfahrung wird in „Die Brücke – Transit in den Tod“ sehr groß geschrieben.

Ein weiterer Kandidat für „nordic noir“ ist definitiv „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“. Wer Spannung pur sucht wird „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ einfach nur lieben. Die Serie „Greyzone“ beinhaltet ebenfalls viele „nordic noir“ Elemente und befasst sich mit der Thematik Terrorangst. Wer die Kühle und die Trauerverarbeitung auf finnisch erleben möchte kommt nicht an „Deadwind“ vorbei und mein Geheimtipp für Krimi Liebhaber ist und bleibt die „nordic noir“ Serie „Sorjonen – Bordertown“ – fiebere persönlich jetzt schon sehnsüchtig auf Staffel 3, aber die Corona Pandemie hat leider die Produktion bzw. die deutsche Synchronisationsarbeiten gestoppt.

Später wird in meinem Blog ein extra Artikel über meine Lieblingsserie „Sorjonen – Bordertown“ erscheinen, den ich dann detaillierter und ausgiebiger für Sie erläutern werde.

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